Seit langer Zeit waren wir mal wieder aufgeregt und nervös, weil wir nicht einschätzen konnten, was uns an der Grenze und im Land erwartet. Die Grenzformalitäten waren etwas langwierig (wir hatten einen Overlandertruck mit 40 Engländern vor uns) aber unkompliziert.
Gleich in der ersten Nacht buschcamping war etwas seltsam, aber unproblematisch. Das Kopftuch und der Mantel waren zu Anfang doch schlimmer als erwartet. Obwohl ich mich darauf eingestellt hatte, fühlte ich mich eingeengt und unfrei. Nach 2 Tagen habe ich dann zunächst den Mantel gegen Didis Langarmhemd getauscht und mir später in Teheran und Esphahan schlapprige Oberteile gekauft, die bis oberhalb des Knies gehen. Mittlerweile, nachdem ich im Bazar weiteren „Mädelskram“ gekauft habe (Spängchen zum Fixieren meiner superdünnen Häärchen), hält das Tuch auch so, dass ich nicht ständig dranrumzupfen muss.
Am zweiten Tag im Land stand nicht nur die Besichtigung von Tabriz auf dem Programm, sondern auch noch Geldwechsel und Tanken. Nachdem die ersten beiden Punkte erfolgreich abgeschlossen waren, ging es zur ersten Tanke. Eigentlich gibt es Diesel nur mit einer speziellen Karte, die man entweder teuer kaufen kann oder von den Truckfahrern ausleihen. Die bekommen ein Kontingent von 400 L täglich, das sie nicht verbrauchen. So fährt man zu denen und lässt tanken, was eigentlich immer klappt, sie sind alle super nett. Die ersten 60 L bekamen wir gleich geschenkt, für die nächsten 100 zahlten wir den enormen Preis vom 1,20 Euro. Offizieller Preis: 1,2 Cent pro Liter!!
Wie immer war die Aufregung vom Anfang umsonst:. Iran ist ein unkompliziertes Reiseland, auch hier kann man wieder auf jedem Parkplatz oder Picknickplatz übernachten (machen die Einheimischen auch) und alle sind super freundlich und hilfsbereit. Außer in Teheran und Esphahan waren wir in den Bergen, sind wilde Pässe gefahren zu hochgelegenen Burgen und Seen. Jetzt freuen wir uns noch auf die Wüste Lut und die Gegend von Shiraz ganz im Süden.
Unglaublich aber wahr, wir haben andere Deutsche getroffen, die auch mit einem Benz unterwegs sind: Almut, Markus und Arnold (9 Monate alt). Die sind uns in Teheran begegnet und brauchen auch ein Visum für Pakistan!
Im Iran ist alles wunderbar, wären da nicht die Formalitäten!! In Teheran ein Visum für Pakistan zu bekommen ist fast unmöglich. Zum einen, weil die Pakis nur noch für Iraner Visa ausstellen wollen. Daraufhin haben wir die Auskunft bekommen, in Berlin bekämen wir es innerhalb eines Tages. So hat Almut ihre Freundin angerufen und wir waren schon mal bei DHL um die Pässe zu verschicken – aber im Iran darf man keine Pässe verschicken, die werden beschlagnahmt! Gott sei dank (oder soll ich hier lieber Allah danken) hat Almut gute Kontakte zur deutschen Botschaft in Islamabad, die an die Botschaft in Teheran ein Empfehlungsschreiben gefaxt hat. Jetzt wollten die aber ein Schreiben vom pakistanischen Innenministerium!. Kurz und gut, wir hatten die Nase voll von Botschaftsbesuchen und sind erst mal nach Esphahan gefahren und haben unser Touriprogramm absolviert (sehr empfehlenswert!). Auf unsere telefonische Nachfrage an die Pakibotschaft, aus welcher Abteilung und von welcher Person im Innenministerium das Schreiben denn kommen muss (das Innenministerium hat von so einer Regel natürlich noch nie was gehört) merkten die von der Pakibotschaft wohl, dass wir nicht so leicht aufgeben. Zurück in Teheran haben wir uns einem Interview unterzogen (why do you want go to Pakistan?) und bekommen jetzt (inch Allah) unsere Visa. Dank der Kontakte unserer neuen Reisepartner wird das unmögliche doch noch wahr!! Und wir können noch nicht einmal ne Flasche Sekt aufmachen!! So stoßen wir eben mit mäßig gutem alkfreien Bier an.
Aber jetzt geht es auf die indische Botschaft??!! Mal sehen was das noch wird. Und dann haben wir hoffentlich noch 2-21/2 Wochen um den Iran und nicht nur die Botschaften umliegender Länder kennen zu lernen.
Das indische Visum ist beantragt und morgen geht es los in den Süden. Endlich Landschaft, Wüste und Buschcamping!
Also, alles soweit gut und unser Ziel, irgendwann in Indien einzureisen ist auch wieder in Reichweite gerückt. Wir melden uns wieder, es ist jedoch gerade unklar wann, denn außerhalb von Teheran ist das mit dem Internet wesentlich aufwendiger.
Ganz liebe Grüße
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